Leber: Mikronährstoffbombe
Die Leber ist vielleicht das nährstoffreichste Stück Fleisch, das du essen kannst. Sie ist reich an Vitamin A (Retinol), das wichtig für dein Immunsystem, deine Haut und dein Sehvermögen ist. Außerdem enthält sie sehr viel Vitamin B12, das eine zentrale Rolle für die Blutbildung und das Nervensystem spielt. Auch Folat, Riboflavin, Niacin, Eisen, Kupfer, Zink, Selen und Cholin sind in hohen Mengen enthalten. Es ist kaum möglich, all diese Nährstoffe in vergleichbar hoher Konzentration aus anderen Lebensmitteln zu bekommen.
Die Leber hat in Europa eine lange kulinarische Tradition. In Deutschland wird sie oft gebraten mit Zwiebeln gegessen, in Skandinavien verarbeitet man sie zu Pasteten und Würsten. In Frankreich und Belgien stellt man daraus Terrinen und Pasteten her. In diesen Küchen schätzt man besonders die cremige Konsistenz und den intensiven Geschmack. Allerdings sollte die Leber nicht täglich in großen Mengen gegessen werden, da zu viel Vitamin A auf Dauer schädlich sein kann. Die Leber gelegentlich zu essen ist daher die beste Wahl.
Herz: reich an B-Vitaminen und Coenzym Q10
Das Herz besteht im Grunde hauptsächlich aus Muskelgewebe. In seiner Nährstoffzusammensetzung ähnelt es daher Muskelfleisch, enthält jedoch mehr Mikronährstoffe. Es liefert viel Vitamin B12, Riboflavin und Niacin, die alle wichtig für den Energiestoffwechsel sind. Außerdem versorgt dich Herz mit Eisen, Zink und Selen. Besonders macht Herz das Coenzym Q10. Q10 wird für die Energieproduktion in den Zellen benötigt. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper davon immer weniger.
In Europa wurde ein Herz nur selten als eigenständiges Gericht gegessen, sondern meist in Eintöpfen oder zusammen mit anderen Innereien verwendet. In Österreich und Süddeutschland schmorte man ein Herz gemeinsam mit Lunge oder Zunge zu einer sättigenden Mahlzeit. Ein bekanntes Beispiel ist das Wiener Beuschel, ein ragoutähnliches Gericht aus Herz und Lunge in einer dunklen Sahnesauce, das traditionell mit Semmelknödeln serviert wird.
Nieren: reich an Selen und B-Vitaminen
Nieren haben ein ähnliches Nährstoffprofil wie Leber, liefern die Nährstoffe jedoch in einer anderen Zusammensetzung. Sie enthalten viel Vitamin B12 und Riboflavin und sind besonders reich an Selen. Selen unterstützt das antioxidative Schutzsystem des Körpers und die Funktion der Schilddrüse. Außerdem liefern Nieren Eisen und Zink. Da zu viel Selen auf Dauer nicht gesund ist, sollten Nieren regelmäßig, aber nicht in großen Mengen gegessen werden.
In vielen europäischen Küchen waren Nieren lange ein fester Bestandteil der Ernährung. In den Niederlanden wurden Nierchen häufig geschmort oder in Senf oder Sahnesauce serviert. In Großbritannien ist der Steak and Kidney Pie ein klassisches Gericht, bei dem Nieren mit Muskelfleisch kombiniert werden. So entsteht ein besonders aromatisches und nährstoffreiches Gericht, dessen Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und das sich im 19. und 20. Jahrhundert fest in der Pubkultur etablierte.
Zunge: Eiweiß, Fett und vor allem Geschmack
Die Zunge besteht vor allem aus Muskelgewebe und etwas Fett. Sie liefert hochwertiges Eiweiß sowie Vitamin B12, Eisen, Zink und Selen. Sie sticht also nicht durch extrem hohe Mengen einzelner Mikronährstoffe hervor, sättigt aber gut und liefert viel Energie. Die Struktur ist fest, wird bei richtiger Zubereitung jedoch angenehm zart.
In Europa war die Zunge vor allem Teil der klassischen Küche. Rinder und Kalbszunge wurden langsam gekocht und mit Saucen wie Madeirasauce oder Tomatensauce serviert. In Mitteleuropa aß man die Zunge auch kalt, in dünne Scheiben geschnitten, als Vorspeise oder auf Buffets. Sie galt dabei als echte Delikatesse.
Milz: Eine gute Quelle für Mineralstoffe und B-Vitamine
Die Milz bekommt wenig Aufmerksamkeit, ist ernährungsphysiologisch aber durchaus interessant. Dieses Organ enthält viel Vitamin B12, Eisen, Kupfer und Selen. Vitamin A ist fast gar nicht enthalten, daher besteht im Unterschied zur Leber keine Sorge vor zu viel Retinol, selbst wenn die Milz mehrmals im Monat oder sogar pro Woche gegessen wird. Auch geschmacklich ist sie etwas milder als die Leber.
In Europa wird die Milz vor allem in bestimmten Regionen gegessen. In Süd Europa zum Beispiel gab man sie früher in Schmorgerichte oder servierte sie zusammen mit anderen Organen bei festlichen Mahlzeiten. Klassische Gerichte mit der Milz finden sich vor allem in der italienischen Küche Sizilien und in der georgischen Küche, etwa das sizilianische Brötchen Pani ca meusa mit frittierter Kalbsmilz oder das georgische Gericht Kuchmachi, eine Mischung aus verschiedenen Innereien, darunter die Milz. Solche regionalen Spezialitäten sind meist lokal geblieben und haben sich außerhalb ihrer Herkunftsregion nie wirklich durchgesetzt.
Lungen: besondere Textur und Mineralstoffe
Die Lungen fallen sofort durch ihre Struktur auf. Sie sind schwammig und ganz anders als andere Organe. In Bezug auf den Nährwert sind sie fettarm, enthalten etwas Eiweiß und liefern Mineralstoffe wie Kalium, Eisen und Zink. Sogar ein wenig Vitamin C ist enthalten was für ein tierisches Lebensmittel eher ungewöhnlich ist. Durch die schwammige Struktur werden die Lungen meist geschmort.
In der europäischen Küche findet man die Lungen ähnlich wie die Milz vor allem in regionalen Gerichten. In Teilen Österreichs und Süddeutschlands bereitet man Schmorgerichte aus den Lungen zu oft mit säuerlichen Saucen und serviert sie mit Knödeln oder Brot. Solche Rezepte zeigen deutlich dass früher wirklich jedes Teil des Tieres verwertet wurde.
Testikel: eiweißreich aber anders zusammengesetzt
Die Testikel auch bekannt als Stier Rammen oder Lammballen sind in vielen Kulturen Teil der traditionellen Küche. Sie bestehen überwiegend aus Eiweiß Fett und Cholesterin und liefern zusätzlich Vitamin B12 Zink Selen und Phosphor. Im Vergleich zur Leber enthalten die Testikel weniger Vitamine liefern jedoch wichtige organspezifische Bausteine für Hormone und Zellen. Cholesterin hat bei den meisten Menschen nur einen geringen Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut anders als früher angenommen.
In Europa gelten die Testikel vor allem als regionale Spezialität. In Spanien heißen sie criadillas und werden meist paniert und gebraten oder in Schmorgerichten verarbeitet. In Frankreich sind sie als animelles oder rognons blancs bekannt Begriffe die früher für verschiedene weiche Organe verwendet wurden. In Nordamerika heißen sie Rocky Mountain oysters prairie oysters oder calf fries und werden oft als Vorspeise mit Cocktailsauce serviert. Weitere Bezeichnungen sind huevos de toro im Spanischen granelli im Italienischen und kapura im Hindi.
Geschmacklich sind die Testikel mild und haben eine weiche Textur. Deshalb werden sie häufig mit Gewürzen Butter oder einer kräftigen Sauce zubereitet.
Fazit
Innereien sind eine hervorragende Ergänzung einer abwechslungsreichen Ernährung. Die meisten Varianten, von denen oben einige vorgestellt wurden, sind reich an Mikronährstoffen, die aus normalem Muskelfleisch nur schwer zu bekommen sind. Das ist vielen Menschen bekannt und besonders relevant für Personen mit Erfahrung mit der Paleo Ernährung oder der carnivoren Ernährungsweise. Gerade weil Innereien so nährstoffreich sind, sollte auf Menge und Häufigkeit geachtet werden, insbesondere bei der Leber. Abwechslung und Portionsgröße spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Die genannten europäischen Gerichte zeigen zudem, dass Innereien ein grundlegender Bestandteil der nationalen und regionalen Küchen unseres Kontinents waren.










