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Artikel: Cholesterin und gesättigtes Fett: keine Schwarz Weiß Geschichte

Cholesterol en verzadigd vet: geen zwart-witverhaal

Cholesterin und gesättigtes Fett: keine Schwarz Weiß Geschichte

Jahrelang war die Geschichte einfach. Gesättigtes Fett galt als schlecht. Cholesterin als gefährlich. Butter wurde gegen Margarine ausgetauscht, Vollmilch gegen fettarme Varianten, und Eier verschwanden bei vielen Menschen aus dem täglichen Speiseplan. Der Gedanke dahinter stammte aus der sogenannten „Diet Heart Hypothese“. Gesättigtes Fett erhöhe das LDL Cholesterin, und ein höheres LDL führe direkt zu mehr Herz und Gefäßerkrankungen.

Doch die Wissenschaft bleibt nicht stehen. In den vergangenen fünfzehn Jahren wurde diese Theorie umfassend neu untersucht. Einige Schlussfolgerungen erweisen sich als deutlich weniger belastbar als lange angenommen. Andere Erkenntnisse wurden hingegen bestätigt. Die tatsächlichen Zusammenhänge sind deutlich nuancierter als ein einfaches „gut“ oder „schlecht“.

Was sagen aktuelle Meta Analysen?

Große systematische Übersichtsarbeiten und Meta Analysen randomisierter Interventionsstudien, der stärksten Form der Ernährungsforschung, zeigen, dass die Reduktion von gesättigtem Fett für sich genommen keine eindeutig klaren Effekte auf die Gesamtsterblichkeit hat. Für die Sterblichkeit durch Herz und Gefäßerkrankungen werden teils kleine Risikoreduktionen beobachtet, wenn gesättigtes Fett gezielt durch mehrfach ungesättigte Fette ersetzt wird, wobei diese Effekte mitunter eher gering ausfallen. Die Herzgesundheit ist in besonderem Maße ein multifaktorielles Thema.

Ein wichtiges Detail ist, wodurch gesättigtes Fett ersetzt wird. Wenn Menschen weniger gesättigtes Fett essen, dieses jedoch durch raffinierte Kohlenhydrate wie Weißmehl und Zucker ersetzen, verbessert sich das kardiovaskuläre Risiko nicht. In einigen Studien verschlechtern sich Marker wie Triglyceride sogar.

Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen daher, dass das gesamte Ernährungsmuster wichtiger ist als ein einzelner Nährstoff. Die Evidenz dafür, dass gesättigtes Fett allein die Ursache von Herz und Gefäßerkrankungen ist, ist weniger stark als noch vor Jahrzehnten angenommen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass jede Menge automatisch neutral ist. Der Kontext ist entscheidend.

Die evolutionäre Perspektive

Wenn der Blick auf die menschliche Evolution erweitert wird, zeigt sich, dass gesättigtes Fett kein Neuling in der Ernährung ist. Jäger Sammler verzehrten tierisches Fett, Organfleisch und Knochenmark. In tropischen Regionen waren Kokosnüsse und Palmfrüchte wichtige Fettquellen. Industrielle Samenöle und stark verarbeitete Produkte existierten nicht.

Viele traditionell lebende Bevölkerungsgruppen wiesen niedrige Raten von Adipositas, Diabetes Typ 2 und Herzkrankheiten auf. Dennoch ist Vorsicht bei einfachen Schlussfolgerungen geboten. Ihr Lebensstil unterschied sich grundlegend vom heutigen. Mehr Bewegung, weniger chronischer Stress, kein Fastfood und kaum raffinierte Zucker spielten eine Rolle. Wahrscheinlich war das Ausbleiben von Zivilisationskrankheiten das Ergebnis des Gesamtbildes und nicht einer einzelnen Nahrungsquelle.

Was hingegen gut belegt ist, ist die Schädlichkeit industrieller Transfette. Große internationale Studien haben überzeugend gezeigt, dass Transfette das Risiko für Herz und Gefäßerkrankungen erhöhen. Diese Erkenntnis führte weltweit zu gesetzlichen Einschränkungen. Der starke Anstieg von Herzkrankheiten im zwanzigsten Jahrhundert fiel zeitlich mit einer Zunahme von Transfetten, stark verarbeiteter Nahrung und Zuckerkonsum zusammen. Dieser Zusammenhang ist deutlich robuster dokumentiert als der zwischen natürlichen gesättigten Fetten und Herzkrankheiten.

Wie steht es um Cholesterin aus der Ernährung?

Auch Cholesterin aus der Ernährung hat eine bewegte Geschichte. Eier waren jahrelang Gegenstand von Diskussionen. Inzwischen ist bekannt, dass der Körper Cholesterin selbst herstellt und diese Produktion meist an die Zufuhr über die Ernährung anpasst. Bei den meisten Menschen führt zusätzliches Cholesterin aus der Nahrung nur zu einem begrenzten Anstieg des Blutcholesterins.

Im Jahr 2015 strichen die amerikanischen Dietary Guidelines die feste Obergrenze für die Cholesterinzufuhr, da es nicht genügend Belege dafür gab, dass Cholesterin aus der Ernährung in der allgemeinen Bevölkerung direkt zu mehr Herz und Gefäßerkrankungen führt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Cholesterin im Blut unwichtig ist. Ein erhöhtes LDL Cholesterin bleibt ein bedeutender Risikofaktor für Atherosklerose. Der Unterschied liegt in der Nuance. Cholesterin aus der Ernährung schlägt sich bei den meisten Menschen nicht eins zu eins in gefährlich hohen LDL Werten nieder.

Große Kohortenstudien zeigen, dass ein moderater Eierverzehr bei gesunden Menschen in der Regel nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten einhergeht. Bei Menschen mit Diabetes oder bestehenden Herz und Gefäßerkrankungen sind die Ergebnisse weniger eindeutig, was darauf hindeutet, dass individuelle Empfindlichkeit eine Rolle spielt.

Qualität vor Quantität

Die moderne Ernährungswissenschaft verlagert ihren Fokus zunehmend von einzelnen Nährstoffen hin zu gesamten Ernährungsweisen. Ernährungsformen, die reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und minimal verarbeiteten Lebensmitteln sind, stehen durchgehend mit einem geringeren Risiko für Herz und Gefäßerkrankungen in Zusammenhang. Innerhalb eines solchen Musters scheint eine moderate Aufnahme von gesättigtem Fett weniger problematisch zu sein als in einer Ernährung, die von Fastfood, zuckerhaltigen Getränken und stark verarbeiteten Snacks geprägt ist.

Zudem rücken Insulinresistenz, chronische niedriggradige Entzündungen und die Zusammensetzung der Lipoproteine stärker in den Fokus. Ein übermäßiger Verzehr schneller Kohlenhydrate und stark verarbeiteter Lebensmittel trägt nachweislich zu ungünstigen metabolischen Veränderungen bei, darunter erhöhte Triglyceride und ein Absinken des HDL.

Das bedeutet nicht, dass gesättigtes Fett unbegrenzt gesund ist, wohl aber, dass die Dämonisierung eines einzelnen Nährstoffs der Komplexität des menschlichen Körpers nicht gerecht wird.

Diederik Jansen

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